Rückblick 2017

„Mobilität 4.0“ lautete das übergreifende Thema des 8. ÖPNV-Innovationskongresses, der vom 14. bis 16. März 2017 im Kongresszentrum Konzerthaus Freiburg stattgefunden hat. Dass der Gastgeber, das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, mit der Wahl des Themas den Nerv der Zeit getroffen habt, belegt nicht zuletzt die Teilnehmerzahl. Mehr als 630 Branchenvertreterinnen und -vertreter aus dem In- und Ausland – so viele wie nie zuvor – folgten der Einladung nach Freiburg und nutzten die Gelegenheit zur Diskussion und zum Erfahrungsaustausch.

Bereits in seiner Eröffnungsrede unterstrich Verkehrsminister Winfried Hermann die Chancen, die die Digitalisierung für den Bereich Mobilität mit sich bringt: „Neue Technologien und Entwicklungen, allen voran die Digitalisierung, erweitern für die Menschen das Spektrum, um von A nach B zu gelangen – und das möglichst nachhaltig. Die Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel entwickelt sich gerade in den Ballungszentren und Metropolen mehr und mehr zu einer Alternative zum eigenen Pkw. Und auch in den ländlichen Regionen sind nachhaltige Lösungen denkbar. Der Nahverkehr spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle und kann von den vielfältigen Chancen profitieren. Gleichzeitig wird er sich den Herausforderungen stellen müssen.“ Zudem machte Minister Hermann deutlich: „Nicht allein mit neuen Technologien sind Probleme zu lösen, sondern vielmehr mit Kreativität und der Kooperation der Menschen vor Ort. Die Digitalisierung ist nicht nur ein technischer Trend, sondern bedarf auch gesellschaftspolitischer Veränderungen.“

Auch Professor Stefan Rammler vom Institut für Transportation Design der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig verwies in seiner Keynote auf die Möglichkeiten, die sich aus dem Trend zur Digitalisierung ergeben. Ob dieser dem Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel eher dienlich oder hinderlich ist, hänge allerdings entscheidend davon ab, wie die Akteure die sich bietenden Chancen nutzten. Der Wissenschaftler zeigte sich überzeugt: Auch wenn neue Anbieter auf den Markt drängen und dem öffentlichen Verkehr die Positionen streitig machen wollen, wird der ÖPNV seine Position am Markt verteidigen können. An einem leistungsfähigen Nahverkehr, der viele Mensch rasch ans Ziel bringen kann, würde kein Weg vorbeiführen. Das gelte vor allem für die Ballungsräume bzw. den Verkehr auf der Schiene. Etwas problematischer gestaltet sich allerdings die Versorgung im ländlichen Raum. Dort gelte es flexibel und aufgeschlossen zu sein für neue Verkehrs- oder Betriebskonzepte. Insgesamt plädierte er dafür, dass sich die Akteure stärker mit Partnern vernetzen und auch die Kombination mit dem Fahrrad gestärkt wird.

Dass die Zukunft mitunter gar nicht so weit entfernt ist, verdeutlichte Daniel Landolf, Leiter des Konzernbereichs PostAuto Schweiz, im Rahmen seiner Keynote am letzten Veranstaltungstag. Das Schweizer Transportunternehmen gehört zu den ersten der Welt, die mit selbstfahrenden Bussen auf öffentlichen Straßen unterwegs sind. Über 25.000 Fahrgäste sind bisher mit einem sogenannten „SmartShuttle“ gefahren. Alleine in den Gassen und Straßen im schweizerischen Sion haben die beiden SmartShuttles, die dort seit dem vergangenen Sommer im Testbetrieb unterwegs sind, im Langsamverkehr bereits rund 3.000 Kilometer zurückgelegt. Engagiert trat Landolf dafür ein, dass der öffentliche Verkehr die Chancen des autonomen Fahrens jetzt ergreifen muss, um sich so breiter aufzustellen und das Angebot – etwa auf der sogenannten letzten Meile – zu erweitern.

Welche Chancen sich konkret ergeben, wo die Herausforderungen liegen und welche Erfahrungen die Branche mit aktuellen Entwicklungen auf den verschiedenen Gebieten gemacht hat, war schließlich Thema der 20 Workshops, die sich auf die Vortragsreihen „Kundenorientierung“, „Betrieb/Verkehrsplanung“, „Umwelt/Technologie“, „Marketing/Tarife“ und „Umweltverbund“ verteilten. Dort kamen vor allem Expertinnen und Experten zu Wort, die über konkrete Erfahrungen und Projekte aus dem Alltag berichteten.

Diese Verbindung von Theorie und Praxis wurde auch an anderer Stelle gepflegt. So nutzen namhafte Unternehmen wie zum Beispiel ATRON electronic, Deutsche Bahn, HanseCom, ICA Traffic, Siemens, Giro inc., Zelisko, die DVV Media Group sowie die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mit dem 3-Löwen-Takt die Gelegenheit, ihre Produkte und Dienstleistungen im Rahmen der begleitenden Fachausstellung zu präsentieren. Mit insgesamt 43 Ausstellern verzeichnete der Kongress auch hier einen Rekord. Die Bandbreite reichte dabei von System- und IT-Spezialisten, Verkehrsbetrieben und -verbünden über Verkehrsplanungs- und Beratungsunternehmen bis zu Verlagen.

Die ÖPNV-Innovationspreise, mit denen das Land Baden-Württemberg besonders innovative Projekte für einen zukunftsweisenden Nahverkehr würdigt, überreichte Verkehrsminister Winfried Hermann 2017 erstmals direkt zum Auftakt der Veranstaltung. In der Kategorie „Kundennutzen durch Digitalisierung“ wurde das Kostenlose WLAN-Angebot in den Bussen und Bahnen der Südwestdeutschen Verkehrs-Aktiengesellschaft SWEG ausgezeichnet. Deren Fahrgäste kommen seit etwa einem Jahr in den Genuss einer leistungsfähigen Internetverbindung. Die SWEG ist das erste Verkehrsunternehmen in Baden-Württemberg, das WLAN in großem Stil den Fahrgästen zur Verfügung stellt. Auch das Unternehmen Omnibus Groß aus Rottenburg zählt zu den Preisträgern in der Kategorie „Kundennutzen durch Digitalisierung“. Mit einem breitgefächerten Informationsangebot, das auch moderne Medien umfasst, sichert sie den Informationsfluss und schafft ein Plus an Kundenfreundlichkeit. In der Kategorie „Elektromobilität“ wurde der Einsatz emissionsfreier Elektro-Hybridbusse im Esslinger Stadtverkehr gewürdigt und in der Kategorie „Ökologie im Nahverkehr“ ging der Preis an die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) für das Konzept „Lebensraum Stuttgarter Gleise – Höhere Akzeptanz für Bahninfrastruktur durch Mehrwert für Anwohner und Umwelt“. Mit einem gemeinsam mit der Naturschutzbehörde entwickelten Magerwiesengleis definiert das Unternehmen die Gleisbegrünung völlig neu.

Die Vorträge des Kongresses finden Sie hier. Impressionen der Veranstaltung können Sie sich in der Bildergalerie anschauen.

Wir freuen uns, Sie auch 2019 beim 9. ÖPNV-Innovationskongress im Kongresszentrum Konzerthaus Freiburg begrüßen zu dürfen.

 

 

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